Headshaking - Unheilbar?

Headshaking - Und jetzt?

 

Für viele ist die Diagnose Headshaking ein Schock ähnlich dem Sehnenschaden oder Kissing Spines. Häufig schießen einem Gedanken durch den Kopf, wie es dazu kommen konnte. Die Ursache für das sogenannte idiopathische Headshaking (demgegenüber steht das symptomatische Headshaking), was ca. 90% aller Headshaker betrifft, ist noch nicht hinreichend erforscht. Jedoch vermutet man einen Zusammenhang mit dem Trigeminusnerv, einem Gesichtsnerv. Darauf komme ich im weiteren Verlauf nochmals genauer zu sprechen.

 

Bei den idiopathischen Headshakern, die ich bisher im Training hatte, hat sich ein deutliches Bild abgezeichnet. In allen Fällen war falsches Training maßgeblich ursächlich (ähnlich Sehnenschäden, Kissing Spines etc.); lediglich in einem Fall konnten wir durch angepasstes Training leider keinen nachhaltigen Erfolg erzielen, jedoch zumindest die Symptome lindern.

 

Und auch, wenn das Headshaking in den anderen Fällen verschwunden war, war es sehr wichtig, das korrekte Training weiterhin zu verfolgen, um einem erneuten Headshaking vorzubeugen.

 

Wie unterscheiden sich symptomatisches und idiopathisches Headshaking voneinander?

 

Symptomatisches Headshaking hängt mit einer direkten Erkrankung oder einem Problem zusammen: Zahnprobleme, Rückenschmerzen z.B. durch einen unpassenden Sattel, vereiterte Nasennebenhöhlen, ein Fremdkörper im Ohr, entzündete Schleimbeutel im Genickbereich, gequetschte Gesichtsnerven (Trigeminus) durch falsche bzw. zu fest verschnürte Zäumung...diese Liste lässt sich leider unendlich fortsetzen.  Dennoch lohnt es sich, vorab alle Faktoren auszuschließen, die für ein symptomatisches Headshaking verantwortlich sein könnten, bevor man das Pferd als idiopathischen Headshaker und somit als unheilbar abstempelt.

 

Beim idiopathischen Headshaking geht man davon aus, dass diesem ein Problem mit dem Trigeminusnerv zugrunde liegt. Aus der Humanmedizin ist diese Problematik bereits gut bekannt und wird als schmerzhafter Reizzustand dieses Gesichtsnervs beschrieben, der plötzliche und heftige Schmerzen im Kopfbereich auslösen kann. Der Nerv erstreckt sich über den gesamten Gesichtsbereich und versorgt über drei Äste Augen-, Ober- und Unterkiefer, Stirn und Kinn. Ist dieser einem ständigen Reiz ausgesetzt, kann man die Schmerzen, die das Pferd hat, nur ansatzweise erahnen. "Mein Pferd shaked aber erst im Frühjahr bis in den Spätsommer, dann kann der Nerv doch eigentlich nicht  das Problem sein.", werde ich häufig gefragt. Doch! Das stärkere Sonnenlicht reizt den Nerv zusätzlich und kann so die Symptomatik zum Vorschein bringen (sog. photosensitive Headshaking). Eine Maske mit UV-Schutz verschafft lediglich Linderung, beseitigt das Problem jedoch nicht.

 

Idiopathisches Headshaking ist weitaus schwieriger zu behandeln und setzt die Bereitschaft des Besitzers voraus, in enger Zusammenarbeit mit einem gut ausgebildeten Trainer die eigenen Vorstellungen des idealen Training über den Haufen zu werfen und neu zu formen. Daran scheitert es in der Praxis  leider schon oft, zumal dieser Prozess des Umtrainierens von Pferd und Besitzer nicht in 2 Wochen leistbar ist, sondern dafür, je nach Häufigkeit des Trainings und Schweregrad des Headshakings, eher 4-6 Monate eingeplant werden müssen.

 

Auffällig bei allen Pferden, die ich bisher als Headshaking-Patienten im Training hatte war, dass sie deutlich vorhandlastig waren und ein fortgeschrittenes Absacken des Brustkorbs beobachtet werden konnte. In der Bewegung liefen sie folglich "in den Boden hinein"; der fließende Bewegungsablauf war dadurch gestört, taktreines Laufen nicht möglich. In diesem Zusammenhang  spricht man auch von einer Trageschwäche oder Trageerschöpfung. Nun fragst Du Dich vielleicht gerade, weshalb Dein Pferd eine Trageschwäche haben könnte, obwohl Du es noch nie geritten bist? Pferde, die zu wenig Bewegung haben und sich die Beine in den Bauch stehen, können, ebenso wie gerittene Pferde, an dieser Symptomatik leiden.

Der Zusammenhang zwischen einem abgesackten Brustkorb und einer Überreizung des Trigeminusnervs liegt auf der Hand, wenn man bedenkt, dass ein Großteil der Kopf- und Halsmuskulatur Verbindungen zum abgesackten Bereich bzw. seinen Strukturen hat.

Oberstes Ziel sollte es also sein, das Pferd aus diesem Ungleichgewicht herauszuholen. Dies kann ausschließlich über zielgerichtetes, sinnvolles und nachhaltiges Training geschehen.

 

Kannst Du symptomatisches Headshaking bei Deinem Pferd definitiv ausschließen? Hast Du bereits die Diagnose "Idiopathisches Headshaking"? Dann suche Dir einen Trainer, der Dich bei der Arbeit unterstützt und Dir zeigt, welches Training bei einem Headshaker langfristig zur Rehabilitation beiträgt! Gerne unterstütze ich Dich bei der Suche nach solch einem Trainer, wenn Du nicht in meinem Arbeitsgebiet wohnst! In letzterem Fall kontaktiere mich gerne für ein erstes Gespräch!

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